Kunstraum Richard Sorge




Vorwärts!

Vorwaerts! Flyer (front) Mai 2010 präsentiert Kunstraum Richard Sorge die Ausstellung Vorwärts!, die sich mit dem Thema Sozialismus auseinandersetzt und ihn aus idealistischem, ideologischem, sexuellem und ästhetischem Blickwinkel betrachtet.
Beteiligt sind Künstler aus Estland, Peru, den USA, den Niederlanden, China und Deutschland. Sie versuchen dem Einfluss nachzugehen, den der (Post-)Sozialismus auf Kunst, Gesellschaft und Sexualität hat. Die Werke von Künstlern aus ehemals sozialistischen Länder werden dabei kombiniert mit Arbeiten westlicher Künstler, die eine sozialistische Ästhetik verwenden. Dazu bietet die Ausstellung eine einzigartige südamerikanische Sicht, die den Kommunismus in historischer Verbindung mit anderen ideologischen Systemen stellt.

Künstler: Gert-Jan Akerboom, Peeter Allik, Art-Erhaltung, Shepard Fairey, Musk Ming, Jürgen Wittdorf, Heimatlose Volkskunst, a.o.

Gert-Jan Akerboom, Untitled Drawing Gert-Jan Akerboom - DE (Zeichnung) pdf
Die detaillierten Tinte-Zeichnungen von Flaggen und Monumenten des niederländischen, in Berlin lebenden Künstlers Gert-Jan Akerbooms weisen auf die morbide Seite von Nationalismus, Totalitarismus und Gedenkkultur hin. Akerboom arbeitet mit vieldeutigen Zeichen und Symbolen die eine Unzahl gleichberechtigter Interpretationen zulassen. Er sammelt sie aus den Tiefen des Internets und unterzieht sie einem digitalen Destillationsprozess, um sie schließlich höchst akribisch auf Papier zu bannen.

Peeter Allik, EUROPE, linocut, 80 x 60 cm, 1996 Peeter Allik - EST (Malerei) pdf
Der estnische Maler und begnadete Druckgrafiker Peeter Allik beschäftigt sich mit der politischen Geschichte seines lange Zeit unfreiwillig kommunistischen Landes. Er zeigt die totalitären und ideologischen Strömungen, die die Geschichte Estlands und Europa geprägt haben. Allik lässt sowohl kommunistischen als auch den heutigen kapitalistischen Materialismus Revue passieren. Sein Bild von der kollektiven Einsamkeit im Individualismus erinnert an Houellebecqs Romane.

Heimatlose Volkskunst (Installation)
"Heimatlose Volkskunst", der im Berliner Exil lebt, arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten unter diesem Label. Er verwendet den Zivilisationsmüll der DDR für seine monumentalen Installationen. Dabei bringt er diese sozialistischen Artefakte, die er in der Nachwendezeit sammelte, in Verbindung mit Überbleibseln und Symbolen anderer totalitärer politischen und religiösen Systeme.
Seine sich theoretisch endlos organisch im Raum ausbreitenden Installationen stellen sich zusammen aus Malerei, Zeichnung, Übermalungen, Kollagen, Skulptur und Wandmalerei.

Musk Ming - Glorie  at 6. Berliner Kunstsalon Musk Ming - DE (Zeichnung)
Der junge in Berlin lebende Maler und Zeichner Musk Ming kritisiert den Mangel an persönlicher Freiheit und Entfaltung, die das chinesische Regime Homosexuellen und Lesben gewährt, und führt dies - ganz patriotisch - auf westliche koloniale Einflüsse zurück.
Er benutzt in seinen Zeichnungen auf subversive Art einen maoistischen Illustrationsstil, um auf die - seiner Ansicht nach - sexuell aufgeklärte Geschichte Chinas hinzuweisen. Ming erforscht und propagiert eine Rückkehr zu taoistischen Werten, die er als aufgeklärt und tolerant empfindet.

Mustafa Kemal Ataturk - Shepard Fairey, 2008 silkscreen on paper. Very rare blue/black colored version, 90 x 68 cm Shepard Fairey - USA (Siebdruck/Prints)
Auf ähnliche Art zeigt der Grafiker Shepard Fairey, dass zumindest ästhetisch der Sozialismus auch heute noch seine Wirkung nicht verfehlt. Selbstbewusst eignet er sich progressive Elemente und Ikonen aus verschiedenen Kulturen an und hält dabei die Balance zwischen Underground, Kommerz und politisches Statement. Die Art, auf der er die Ästhetik von Propaganda und Befreiung verwendet, ist "darauf angelegt, einen Diskurs über die emotionale Verwendung von Bildern anzuregen," so Fairey.
Faireys Grafik erforscht totalitäre und ideologische Bildwelten, dabei wird ihr Zynismus freigelegt, oder auch die Gültigkeit bestimmter Werte und Ideale untersucht.

Jürgen Wittdorf Jürgen Wittdorf DE (Holzschnitt)
Innerhalb der staatlich kontrollierten Kunstszene der DDR gelang es Jürgen Wittdorf mit seinem Holz- und Linolschnitten auf fast unmerkliche, jedoch subversive Art Homo-Erotik und Humanismus ins Spiel zu bringen.
Die Ausstellung zeigt Werke aus seinen Zyklen Für die Jugend (1960/61) und Jugend und Sport (1964), die ihn landesweit bekannt machten: Erstmals in der Kunst der DDR zeigte er in diesen Werken statt jubelnden FDJ-lern Jugendliche in Jeans, Rocker und "Halbstarke". Diese "Verwestlichung" handelte ihm von staatlicher Seite zahlreiche Kritik ein. Nachdem der Zyklus in Ausstellungen gezeigt wurde und gerade bei vielen Jugendlichen eine positive Resonanz erfuhr, lenkten selbst seine Kritiker ein.

Art-Erhaltung Art-Erhaltung - sine locus (Installation)
Art-Erhaltung definiert ihre Kunst als "Nous-Art": Nous ist eine Mischung des französischen "Wir" und des griechischen "Geist". In diesen skulpturalen Arbeiten werden Artefakte diverser Epochen zusammengefügt und eine "Ästhetik des widersprüchlich Eigensinnigen" geschaffen. Die Thematik variert von Institutional Criticism und oder "Weltliche Fragen," satirisch visualisiert.
Die Ensembles aus der Reihe "Barbarus Hic Ego Sum - Hier Bin Ich der Barbar/ 2002-2004" sind scherzhafte Zeitaufnahmen für eine Gesellschaft, in der soziale Werte bedeutungsloser werden, oder bereits geworden sind. Zeitgenössische Konzeptuelle Kunst der Art-Erhaltung möchte Gegensätzliches mit Großzügigkeit und Duldsamkeit zusammenbringen. Keineswegs dürfe sie eine Macht der Ellenbogenpolitik, des elitären Wegschauens, und oder eines sophistizierten Außerbetrachtlassen dienen. Auf ein klares philanthropisches "VORWÄRTS!"

1-27 Mai, 2010, Mi-Fr: 13-18 Uhr, Sa: 15-19 Uhr, So: 14-18 Uhr.
Finissage: Freitag, 28. Mai, 19 Uhr.

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Vorwaerts Ausstellungstext: german, english
Vorwaerts Press Release: german, english
Teil der Landsberger 54 Galerierundgang.
Galerierundgang Press Release: german, english

Danke: Art-Report, Artou.

Ausstellungsansichten:







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